Krimilokal - LokalkrimiDas Dinner-Krimi-Event

Tatort: Haus Kleinlosen

Was sich in den vergangenen 115 Jahren in den Räumen von Haus Kleinlosen, mit Blick auf den Stadtwald, alles abgespielt hat, wer sich hier seither einen Rausch angetrunken, wer hier seine spätere Frau beim Tanz kennen und lieben gelernt hat, welche kommerziellen oder politischen Geschäfte hier geschlossen und begossen wurden, wird wohl niemand mehr erforschen können.

Eines ist aber sicher, dass diese Gaststätte seit den Tagen, da Bernhard Kleinlosen sie übernommen hat, ein wichtiger Bestandteil für das Verberger und Krefelder Leben ist.

Es ist nicht nur ein Lokal, in dem man gut essen und trinken kann, sondern zugleich Markt und Börse, Zuflucht und Erholungsstätte, Kino und Theater, Konzert- und Tanzsaal, Treffpunkt für Verliebte und Versöhnungsort für Streithähne und nicht zuletzt Vereinslokal für Kegelbrüder, Schützengruppen, Sänger, Turner und Skatspieler.

Wir können nur hoffen, dass dieser Ort das bleibt was er in den vergangenen 115 Jahren immer war: Ein Platz der Gastlichkeit, an dem man sich wohl und geborgen fühlt, zu dem man gerne kommt und von dem man ungern scheidet.

Am 17. Juni 1903 beurkundete der Königlich Preussische Notar Justizrat Heinrich Eberhard Herf, Crefeld, den Kaufvertrag, in dem der Ackerer Bernhard Kleinlosen jr. aus Aldenrade, Gemeinde Walsum, Bürgermeisterei Dinslaken von den Eheleuten Karl Wilhelm und Johanna Wenzel die auf dem Rott befindlichen Gebäude zum Betrieb einer Gastwirtschaft erwirbt.

Als Kaufpreis wurden vereinbart: für die Grundstücke und Gebäude 42.000 Mark,
für das Wirtschaftsinventar 3.000 Mark, für die Schankkonzession 10.000 Mark. Gesamt 55.000 Mark.

Bei den Gebäuden handelte es sich um die Gaststätte, Nebengebäude und eine Scheune mit Viehstall. Wie früher häufig, gehörte zu der Gaststätte auch ein landwirtschaftlicher Betrieb. Das zweistöckige Wirtshaus dürfte aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Die heute noch teilweise erhaltenen Nebengebäude entlang des Wallerspfad sind noch älter. Zu beachten ist der sehr hohe Preis für die Schankkonzession.

Somit kam vor 100 Jahren der damals 26- jährige Bernhard Kleinlosen jr. von der anderen Rheinseite nach Verberg, um dort die bestehende Gaststätte Wallers / Wenzel zu betreiben. Das Ehepaar Wenzel hatte das Anwesen erst 1890 von Wallers gekauft. Nach mündlicher Überlieferung waren Wenzel evangelisch und hatten im katholischen Verberg einen schweren Stand.

1904 wird der Gaststättenbetrieb aufgenommen, 1906 beginnt der Bau des „Conzert-Saales“ mit Kegelbahn, 1907 heiratet Bernhard Kleinlosen die aus Verberg stammende Elisabeth Benger.

1931 wird der Saal um die Bühne verlängert. Die Gebäude überstehen den Krieg unbeschadet. 1945 werden amerikanische Soldaten einquartiert und die Familie muss das Haus vorübergehend verlassen. 1961 wird die Gaststätte umgebaut und den Erfordernissen der Zeit angepasst. 1968 erfolgt das Abreißen der Scheune, damit verschwinden die letzten Reste des landwirtschaftlichen Betriebes. 1978 werden der Saal mit Kegelbahn und Bühne abgerissen. Ein Saal, zwei unterirdische Kegelbahnen und ein Küchenanbau entstehen. 2003 steht ganz Krefeld Kopf, als der KEV Deutscher Meister wird, und so schmückte sich das Haus, á la Christo in schwarz- gelben Tuch verhüllt, bevor es im Mai sein jetziges, weisses Erscheinungsbild erhielt. Peter Siebenmorgen steigt mit in das Unternehmen mit ein und übernimmt die Geschicke im Service.

2005 ist Haus-Kleinlosen endlich online und ermöglicht Ihnen diesen Text zu lesen. 2006 erfolgt die Installation einer Photovoltaikanlage, 2007 die neue Verglasung in der Wirtschaft, 2010 die Inbetriebnahme eines eigenen Blockheizkraftwerkes und 2012 der Komplettumbau der Säle unter Berücksichtigung der neuesten Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen, 2016 übernimmt Peter Siebenmorgen von seiner Mutter Irmgard Siebenmorgen die Leitung des Haus Kleinlosen, die somit in 4. Generation geführt wird. 2017 erfolgt der  Anbau einer neuen Saalterrasse mit Überdachung. Und so wird sich Haus Kleinlosen auch zukünftig den Entwicklungen der Zeit stellen und gestern, heute und morgen für eine angenehme Atmosphäre für seine Gäste sorgen.